Stecker-Vielfalt mit System: Warum der MMC kein Ersatz, sondern die perfekte Ergänzung für Hyperscale-Rechenzentren ist

  

1. Hyperscale-Rechenzentren: Megatrend mit bis zu dreifachem Wachstum

Hyperscale-Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen Welt und wachsen schneller als klassische Hosting- oder Unternehmens-RZ-Infrastrukturen. Analysten prognostizieren, dass der Anteil von Hyperscaler-Kapazitäten an der weltweiten Rechenzentrumsfläche bis Ende dieses Jahrzehnts deutlich steigen wird – angetrieben durch Cloud, SaaS, KI und datenintensive Anwendungen. 

Diese Entwicklung wird durch drei zentrale Anforderungen bedingt:

  • Exponentiell wachsende Daten- und Verkehrsvolumina
  • Migration zu 400G, 800G, 1,6TB und in naher Zukunft 3,2TB
  • Extrem hohe Port- und Faserdichte in Kabel- und Patchfeldern

Marktanalysen zeigen, dass auch der Glasfasermarkt für Rechenzentren stark wächst: Der globale Marktwert soll zwischen 2024 und 2032 um mehr als das Zweieinhalbfache steigen

Hyperscale-RZ-Architekturen folgen typischerweise einer Spine-Leaf-Topologie, die enorme Bandbreiten zwischen Server-Clustern erfordert, was wiederum Glasfaser-Verkabelungsexpansion und Innovationen bei Steckverbindern zur Folge hat. 
 

  

2. Technologieoffenheit als Planungsprinzip – keine Monokultur

Hyperscaler streben nach maximaler Flexibilität, da falsche Standardentscheidungen teuer werden können – sowohl technisch als auch wirtschaftlich. Studien zur strukturierten Verkabelung zeigen, dass modulare und hochdichte Glasfaser-Architekturen im globalen Rechenzentrum zunehmend dominieren, mit jährlichen Wachstumsraten im hohen einstelligen Prozentbereich bis 2032

In der Praxis bedeutet dies:
Keine einzelne Steckverbinder-Technologie deckt alle Anforderungen ab, vielmehr gilt es, für jeden Use Case die optimale Kombination aus Dichte, Leistung und Handhabung zu wählen.

  

3. MMC-Steckverbinder: Ergänzung, nicht Ersatz

Mit dem Miniature Multi-Fiber Connector (MMC) steht eine neue Steckverbindergeneration bereit, die speziell auf extrem hohe Portdichten und kompakte Panel-Layouts ausgerichtet ist – zentrale Anforderungen von Hyperscale-Architekturen, die 800G und mehr unterstützen. 

Warum MMC relevant ist

  • Miniaturisierte Bauform → bis zu 3× höhere Portdichte als klassische MPO-Port-Layouts
  • Push-Pull-Mechanismus → erleichtert Handling in dicht belegten Patchfeldern

MMC ist damit nicht als universeller Ersatz gedacht, sondern als ergänzende Option für Szenarien mit besonders hohen Dichte- und Performance-Ansprüchen.nts.

  

4. „Ersetzt der MMC nun alle bisherigen Steckverbinder?“ – Klare Antwort

Kurz: Nein.
Marktbeobachter erwarten vielmehr, dass bestehende Steckerfamilien weiterhin relevant bleiben, und neue Formfaktoren ergänzend einfließen[BM1] . 

Jede Stecker-Familie bleibt – abhängig vom Use Case – sinnvoll:

  • LC Duplex – der LWLDuplexstecker mit der höchsten Marktdurchdringung
  • SN/MDC – aufgrund der höheren Portdichte potenzielle Nachfolger des LC-Duplex
  • MTP®/MPO/MPE – aufgrund der hohen Faseranzahl besonders relevant für Backbone-Verkabelungen  
  • MMC – für High-Density-Szenarien jenseits klassischer Port-Layouts

Darüber hinaus zeigen Test- und Wartungsberichte, dass Very Small Form Factor-Steckverbinder (zu denen auch MMC zählt) aufgrund ihrer hohen Packungsdichte besondere Anforderungen an Reinigung, Test und Qualitätssicherung stellen. 

  

5. Steckverbinder im Vergleich – Hyperscale-Perspektive

 

  

Diese Gegenüberstellung zeigt: Keine Technologie ist universell, vielmehr hängt die Wahl vom Datenratenbedarf, Panelspezifikationen und Lifecycle-Strategien ab.

  

6. Fazit: Vielfalt statt Monokultur – auch bei Hyperscalern

Hyperscale-Rechenzentren stellen höchste Anforderungen an Bandbreite, Dichte und Flexibilität. Technologieoffenheit bei Steckverbinder-Systemen ist kein Nice-to-have, sondern eine strategische Notwendigkeit, um:

  • Investitionen zu schützen
  • Migrationen zu vereinfachen
  • Performance-Silos zu vermeiden

Neue Steckverbinder wie der MMC sind daher keine disruptive Einheitslösung, sondern ergänzende Bausteine in einem skalierbaren Glasfaser-Ökosystem, das den Anforderungen von Hyperscale-Performance-Anwendungen gerecht wird.

  

Autor:
Harald Jungbäck, Produktmanager LWL-Verkabelungssysteme

Harald Jungbäck verdankt sein Fachwissen im Bereich Glasfasertechnik seiner langjährigen Tätigkeit bei Rosenberger OSI. 1993 begann er seine Karriere in der Produkt- und Fertigungsprozessentwicklung. Heute ist er für den konsequenten Ausbau des Produktportfolios und den technologischen Innovationsprozess in diesem Bereich verantwortlich.

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